Westoberdeutsche Dialekte

Was sind denn bitte "Westoberdeutsche Dialekte"? Genau gesagt ist es eine Zusammenfassung mehrerer sprachverwandter Dialekte.

Besser bekannt sind sie aber unter dem Begriff "Alemannisch"!

Alemannisch ist weit Verbreitet und geht auch über die deutsche Grenze hinaus. Vorallem im französischen Elsass und in der deutschsprachigen Schweiz wird Alemannisch gesprochen.

 

 Auf dieser Karte sieht man auch deutlich, dass es eine Zusammenfassung ist. Jemand aus dem Schwäbischen versteht nicht unbedingt einen Schweitzer, obwohl sie beide "Alemannisch" sprechen.
Aber darauf möchte ich später genauer eingehen.

In diesem Abschnitt geht es um die Sprachgeschichte.

Während des Großen Römischen Reichs siedelten sich romanische Kelten und Germanen im Westoberdeutschen Gebiet an. Besagte Germanen rückten schließlich bis zur römischen Grenze vor und verdrängten die Kelten nach und nach. Diejenigen Germanen, die die Grenze schließlich auch überschritten, wurden Alemannen genannt. Seit dem 5./6. Jahrhundert ist wohl von einem "einheitlichen" alemannischen Sprachraum auszugehen - was auch immer als einheitlich bezeichnet werden kann.

Linguistische Entwicklung und allgemeine Besonderheiten:

Jetzt wird es ein wenig kompliziert und langwierig. Aber auch durchaus sehr interessant, auch was die deutsche Sprachgeschichte allgemein betrifft.

Begonnen hat diese Abgrenzung nämlich im schon im 4. Jahrhundert. Die sogenannte 1. Phase der 2. Lautverschiebung begann. 

 Die 2. Lautverschiebung trennte in insgesamt 4 Phasen das "Althochdeutsche" vom "Altniederdeutschen". Hoch=südlich, nieder = nördlich.
Die Unterschiede sind sehr deutlich:

Das Wort Zeit hieß im Süden "Zit" und im Norden "Tid"
Genauso "schlafen". Im Süden "slafen", im Norden "slapen"
Hier beobachten wir aber nur die weitere Sprachentwicklung im Süden deutschlands.
Im weiteren Verlauf der Geschichte bildetetn sich mehrere Sprachräume heraus: Franken, Alemannen Sachsen und später Baiern. Diese weitere "Verschiebung" oder "Verzerrung" der Sprache lässt sich anhand folgender Punkte erklären:

  • Teilnahme oder Nichtteilnahme bestimmter Bevölkerungsgruppen am überregionalen Verkehr
  • fehlende überregionale Schreibsprache (Latein)
  • vorhandene oder fehlende Schreibkenntnisse
  • politische und kirchliche Organisationsformen (zersplitterte oder relativ einheitliche Territorien, Verlauf politischer und kirchlicher Grenzen)
  • naturräumliche Gliederung (natürliche Grenzen und Verbindungen, vielfältige oder relativ einheitliche Naturräume)

Ein wichtiges Kriterium ist aber auch, wie "offen" und wie schnell  eine Region neue Formen der Sprache angenommen hat. So zeichnet sich zum Beispiel das Schwäbisch durch viele neue Formen angenommen zu haben, während das Höchstalemannisch wenig davon sprechen. In vielen Gebieten Unterscheiden sich Dialekte von Ort zu Ort, während im Elb-Tal ein sehr breites Gebiet einheitlicher Sprache liegt. Dieses Gebiet ist weitläufiger, kaum durch Naturgrenzen (Berge usw.) getrennt und konnte so besser bereist werden.
Im weiteren Verlauf wurden das Niederdeutsch der althochdeutschen Schreibform angepasst und die Niederdeutsche Sprache wurde auch nicht mehr gesprochen.
Ausnahme bildet hier das Niederländisch.
Alemannisch wurde also nur noch als "Mundart" oder "Dialekt" gesprochen - jeder in seiner Region, wie er es eben lernt. Da die schweitzer und die franzöischen Alemannen mit dem Hochdeutsch nichts zu tun haben, verliert sich hier der Dialekt nicht so schnell. Ich befürchte, schwitzer-dytsch und elsässisch verstehen bald nur noch die dort ansässigen - und niemand mehr drum herum.

Wie wir also oben erkennen können, bezieht sich die bezeichnung "bairisch", "fränkisch" und "alemannisch" nicht auf eine Bevölkerungsgruppe, sondern nur auf den Dialekt. Und den Grenzen wir jetzt weiter ein.

Auf der oberen Karte sieht man, dass Alemannisch nicht einfach so stehen gelassen werden kann. Man kann die verschiedenen Dialektformen bis ins kleinste herunterbrechen. Die obere Ebene der Unterscheidung sieht man auf der Karte oben und nochmal in der Auflistung unten:

  • Schwäbisch: vor allem Württemberg und Bayern
  • Niederalemannisch:
    • Oberrheinalemannisch: vor allem Elsass, Südbaden und Basel
    • Bodenseealemannisch: jeweils eher kleinere Gebiete im südöstlichen Baden, südlichsten Württemberg, südwestlichen Bayern, nördlichen Vorarlberg und in nordöstlichster Schweiz
  • Hochalemannisch: vor allem Schweiz, südliches Vorarlberg, südlichstes Baden und südlichstes Elsass
  • Höchstalemannisch: vor allem südliche Deutschschweiz und Walserorte Österreichs

Dabei sind folgende Bezeichnungen geläufiger:

  • Elsässisch
  • Schweizerdeutsch
  • Badisch
  • Vorarlbergisch

Ich werde jetzt einige Sätze erst in Hochdeutsch und anschließend im jeweiligen Alemannisch verschiedener Orte Aufschreiben. Dabei achte ich auch darauf, dass deutlich wird, dass verschiedene Worte einfach auch von Ort zu Ort völlig anders sind.

1. Du brauchst nicht alles glauben, was die Leute sagen.

  • Niederalemannisch, sehr nördlich, nahe der französischen Grenze. Ort: Lichtenau:
    Glaub nid olles, was Lit fazeele!
  • Niederalemannisch, mittig in der Ortneau. Ort: Ettenheim: Du bruchsch nit alles glaube, was d'Lid schwätze!
  • Niederalemannisch, nahe Schwäbisch und Bodenseealemannisch. Ort: Furtwangen:
    Du bruchsch doch it alles glaube, wa d'Lid sage!
  • Schwäbisch, nahe Niederalemannisch, 20 km von Furtwangen entfernt:
    Du bruchschd net ällis glaube, wa d'Lid saget!
  • Noch ein Beispiel aus dem Hochalemannisch, tief im Süden, Richtung schweitzer Grenze. Ort: Brombach:
    Du bruchsch nid alles glaube, wo d'lüt sage!


Für mehr Beispiel und vorallem für Tonproben könnt ihr auch unter http://bit.ly/4aQTNA schauen.

Zum Abschluss hab ich euch einfach noch zwei Hörproben.

 

 

 


 

29.7.10 11:59

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