1. Was ist Kultur?

Der Begriff "Kultur" ist vielseitig und weitläufig. Der Wortursprung kommt vom lateinischen cultura („Bearbeitung“, „Pflege“, „Ackerbau“ und colere, („wohnen“, „pflegen“, „den Acker bestellen).
Im Zusammenhang mit dem Thema meiner Studienarbeit wird im Weiteren der Begriff "Kultur" wie Folgt nach Hofstede Definiert:

Kultur ist "die kollektive Programmierung des Geistes, die Mitglieder einer Gruppe oder Kategorie von Menschen von einer
anderen unterscheidet“. „Kultur ist für die Gesellschaft, was die Persönlichkeit für ein Individuum ist“ (Hofstede 2001a: 10).
Eine solche mentale Programmierung umfasst spezielle Denk-, Fühl- und Handlungsmuster, die eine bestimmte Kultur charakterisieren. Dabei sind diesem Begriff auch normale und alltägliche Aktionen wie beispielsweise Essen, Grüßen, emotionale Reaktionen, die physische Distanz, sexuelle Verhaltensweisen und die Hygiene zugehörig (vgl. Hofstede 2001b: 4).

"Kultur" ist also eine erlernte Reaktion im Sinne eines "Musterverhaltens" in bestimmten Situationen. Kulturelle Unterschiede werden nach Hofstede vorallem in folgenden drei Kategorien deutlich:

Symbole (Worte, Gesten, Bilder oder Objekte): Hier zum Beispiel die Bedeutung des "Kopfnickens" aber auch (National-) Flaggen oder ein im Umfeld typischer Frisuren-Stil.

Heroes (z.B. Comic- Figuren oder reale Menschen, lebende oder bereits Verstorbene): beispielsweise frankreichs "Asterix" oder Snoopy in den USA. Aber auch Geschwister / Eltern dienen als solche Helden (Vorbilder).

Rituale umfassen unter anderem die Art zu Grüßen, seinem Gegenüber respekt zu zeigen aber auch soziale und religiöse Zeremonien.

2. Wieso gibt es Kultur?

Um diese Frage hinreichend Beantworten zu können, ist ein Ausflug in die Evolutionsbiologie nützlich. Hier zeigt sich, dass der Homo Sapiens eine verlängerte Säuglingszeit und Kindheit erlebt. Durch den aufrechten Gang wurde der Geburtskanal verengt (siehe vrgl. Skelett Mensch & Affe), so dass der ein menschlicher Säugling völlig "Hilfslos" als "Frühgeburt" zur Welt kommt.

 

Da er jedoch schon voll ausgeprägte Sinnesorgane besitzt, kann sich sein Gehirn auf die äußeren Sinneseindrücke anpassen und entwickeln. Er wird als sekundärer Nesthockerjunge bezeichnet.
Da also die Vollständige Entwicklung des Menschen, vorallem des menschlichen Gehirns bei Neugeborenen noch nicht vollständig abgeschlossen ist, ist eine Prägung durch Umwelteinflüsse unumgänglich.
Während er sich also "entwickelt", lernt er zunächst unbewusst, später durch Nachahmung, wie seine Umwelt zu Beurteilen ist. Um dies Messbar zu machen wurden Festwerte eingeführt, die sich auf folgende Gegensätze beziehen:

Good vs. Evil
Dirty vs. Clean
Dangerous vs. Safe
Forbidden vs. Permitted
Decent vs. Indecent
Moral vs. Immoral
Ugly vs. Beautyful
Unnaturale vs. Naturale
Abnormal vs. Normal
Paradoxical vs. Logical
Irrational vs. Rational

Ein Beispiel hierführ ist ein Schönheitsideal alter Chinesen, das bei Westeuropäern eher abstoßend wirkt: Der Lotusfuß.
Hier wird durch extremes Einbinden und Knochenbrechen eine bestimmte Fußform erreicht.

 


 3. Wie wird Kultur geprägt?

Die Entwicklung der Kultur verläuft parallel zur kindlichen Entwicklung eines Menschen.
Im ersten Stadium sind Umgebungsgeräusche (Laut oder Leise?), Umgebungsstimmung (lachende, weinende, spielende Menschen etc.) oder die Reaktion auf das eigene Verhalten (bei z.B. weinen) von Relevanz. Auch ob man in einem Kinderbett schläft, alleine oder mit Geschwistern aufwächst, oft auf den Arm genommen wird, oder nicht ist hierfür von Bedeutung.
Sobald das Erinnerungsvermögen einsetzt, kommt die Helden- Kategorie nach Hofstedes Einteilung zu tragen. Das Kind beginnt das Verhalten der Eltern, Geschwister oder anderen Bezugspersonen Nachzuahmen. Hierbei wird auch Essverhalten, Gestiken mit dem Körper (Kopfnicken), der Gang zur Toilette etc. erlernt bzw. geprägt.
Im weiteren Verlauf der Entwicklung spielen immer größere Personenkreise eine Rolle. Spiel- und Schulkameraden, Lehrer, später auch Freunde und Partner.
Das gesamte geprägte Verhalten wird unbewusst wieder an die eigenen Kinder weitervermittelt. So entsteht über Generationen hinweg eine „Kultur“.

Hierbei ist auch wichtig zu beachten, dass man schnell lernt, jedoch schwer wieder vergisst. Das heißt einmal erlerntes / geprägtes Verhalten in bestimmten Situationen wird unbewusst immer wieder angewandt werden.